Waltraud Joa
Beauftragte der Stadt Marktoberdorf für Menschen mit Handicap
 Telefon: +49 (0) 8342 - 42945

Im Rampenlicht

Marktoberdorf – Kein bunter Stolperstein ziert neuerdings die Eingangsstufe zum Restaurant Opatija in der Kemptener Straße. Es ist die bereits vierte Legorampe in der Stadt, die insbesondere Menschen mit Rollstuhl oder Rollator den unkomplizierten Zugang zum Lokal ermöglichen soll.
„Gar nicht schlecht“, sagt ein älterer Gast, der – auch nicht mehr ganz gut zu Fuß – eben die kroatische Gaststätte betritt. Und Waltraud Joa, Beauftragte der Stadt für Menschen mit Behinderung, strahlt. Sie findet die Rampe aus bunten Stecksteinen nicht nur praktisch, sondern freut sich, dass das bunte Bauwerk die Aufmerksamkeit der Menschen auf das Thema Barrierefreiheit lenkt.
Baumeister dieser rund fünf Kilogramm schweren Rampe waren Artur Mohr, Benjamin Göner und ihr Projekt- und Gruppenleiter Alexander Nierer von der BRK-Förderstätte St. Georgshof. Sie arbeiteten rund eine Woche an dem Unikat, das speziell auf die Maße des Eingangspodests vor dem Lokal angepasst ist. Eine Gummimatte soll das Wegrutschen verhindern und etwaige Unebenheiten des Gehsteigs ausgleichen.

Verlängerung beantragt

Die erste Testfahrt gehörte Waltraud Joa selbst, für deren Hightech-Rollstuhl diese Rampe jedoch noch etwas zu steil ist. Die Lego-Tüftler werden sie daher in den nächsten Tagen noch um rund 20 Zentimeter verlängern und damit abflachen. „Eine stabile Legorampe zu bauen, ist gar nicht so einfach“, erklärt Alex Nierer. Unterschiedliche Teile, Platten und Steine sind nötig, um die exakte Höhe und den passenden Winkel herzustellen.
Ganz am Ende erst werden die obersten Schichten nicht nur zusammengesetzt, sondern auch verklebt. Das dient zum einen der Stabilität, „zum anderen verhindert es, dass sich manche Menschen einfach an den Legosteinen bedienen.“
Die Projektgruppe am St. Georgshof hat bereits weitere Aufträge für Legorampen erhalten. So soll der Zugang zum Rusticana in der Kurfürstenstraße baldmöglichst mit einer Rampe ausgestattet werden. „Am 2. Dezember ist dort Seniorennachmittag“, sagt Waltraud Joa und macht schon ein bisschen Druck. Die filmburg, das indische Restaurant Namaste und die italienische Gaststätte La Perla verfügen bereits über Lego-Rampen.
Das sieht man von außen zwar nicht, denn die Rampen müssen vom öffentlichen Gehweg verräumt werden. Aber Inhaber und Personal helfen gerne und bringen sie in Stellung. Damit so ein barrierefreies Bauwerk überhaupt entstehen kann, sind BRK und St. Georgshof auf Spenden angewiesen: „In Steinen, am liebsten“, lacht BRK-Sachgebietsleiterin Renate Dantinger. Die können im Rotkreuzhaus in der Beethovenstraße oder bei der Stadt abgegeben werden.

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Kleine Rampe, große (Barriere-)Freiheit: Über die Legorampe freuen sich Nusreta Krbuljic (v.li.), Benjamin Göner, Alexander Nierer, Artur Mohr, Enes Krbuljic und Waltraud Joa.